AUFZEICHNUNGEN AUS DER MÖNCHSZELLE  

Nonne Marija (Antić), Kloster Jasenovac

Autorin des Textes und Realisatorin der Ausstellung:

Nonne Marija (Antić)

AUSSTELLUNG IKONISCHER BILDER DER NONNE MARIJA AUS JASENOVAC

Vor uns liegt eine Ausstellung zeitgenössischer ikonischer Bilder der Nonne Marija (Antić) aus dem Kloster Jasenovac, die das Leiden der Neumärtyrer von Jasenovac zum Thema haben. Jasenovac ist im Bewusstsein des orthodoxen serbischen Volkes, ähnlich wie Auschwitz für das jüdische Volk, ein Begriff für das schmerzhafte und unschuldige Leiden eines schuldlosen Volkes durch Menschen, denen der Mut fehlte, Gott zu lieben. Wo keine Liebe ist, da ist auch Gott nicht, denn – „Gott ist die Liebe“ (1. Joh 4,8). Darum haben Menschen, die Gott nicht in sich tragen, nicht den Mut zu lieben. Dieser Mangel an Mut zur Liebe erzeugt im Menschen Angst, sogar vor Kindern…

Nonne Marija malt intuitiv Kinder oder Erwachsene mit kindlichen Empfindungen, die der Agonie des Leidens so begegnen, als eilten sie in die Arme des Herrn, der sprach: „Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich“ (Mt 19,14). Interessant ist auch der Ansatz von Nonne Marija bei der Auswahl ihrer ikonografischen Motive. Jede Ikone entspringt den Motiven der frühchristlichen Tradition von Märtyrern, die auf ähnliche Weise für Christus litten, ebenfalls durch Menschen, denen der Mut fehlte, eine andersdenkende Welt zu akzeptieren. Ihnen fehlte der Mut zu lieben.

Vielleicht erwarten die Menschen, in den zeitgenössischen ikonischen Bildern von Schwester Marija Grauen, Schrecken, Angst und die Abwesenheit von Liebe zu sehen. Dies ist jedoch eine Ikonografie der Göttlichen Liebe, die in uns das Bewusstsein für die Schönheit und Reinheit der Auferstehung Christi öffnet! Jeder Künstler malt im Unterbewusstsein seine eigene Seele und durchlebt mit den Helden seines Kunstwerks jedes Detail einer nüchtern verborgenen emotionalen Intelligenz. Diese Ikonografie gibt uns die Kraft und den Mut, nicht nur jene zu lieben, die unschuldig für Christus gelitten haben, sondern auch jene Menschen, denen der Mut fehlte, Gott Christus in den Leidenden zu lieben!

Ihre Darstellung des Herrn Jesus Christus Pantokrator mit den unschuldigen Kindern im kreuzförmigen Heiligenschein offenbart die Welt einer gottliebenden Künstlerseele, die auch uns alle in Erstaunen versetzt und uns inspiriert, uns nach der Schönheit und Reinheit der Auferstehung Christi zu sehnen:

„Ich überlege, wie ich die Kinder, die kleinen Märtyrer, malen kann, damit sie Christus, dem Erzmärtyrer, für den sie gelitten haben, am nächsten sind. Und das Kreuz Seines Heiligenscheins füllt sich plötzlich mit ihren Köpfchen, Füsschen und Händchen, erleuchtet von weissen Gewändern. Die Kinder sind hinter dem Stacheldraht im Kreuz, sie schmücken den Herrn mit Blumen, umarmen Ihn, beten, schlafen.“

Dies ist wahrlich eine besondere Kunst, eine zeitgenössische Ikonografie – eine Theologie der Göttlichen Liebe, in der die Agonie der Auferstehung Christi auf schönste Weise beschrieben wird. Wenn Sie diese Ikonen in andächtiger Stille betrachten, wundern Sie sich nicht, wenn eine Träne der Zärtlichkeit Ihre Wangen streichelt. Seien Sie mutig und weinen Sie nicht aus Mitleid mit den heiligen Neumärtyrern von Jasenovac, sondern aus der Betrachtung der Umarmung des Gottes der Liebe durch die fürbittenden Gebete dieser wunderbaren, heiligen, paradiesischen Blümchen.


In Zürich, im Dezember 2023


Bischof von der Schweiz

Andrej (Ćilerdžić)


Ehrenpräsident des Vorstands des Serbischen Instituts in der Schweiz